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Ost- & Südosteuropa Newsletter | Oktober 2026

Liebe Leser*innen,

kurz vor den anstehenden entscheidenden Parlamentswahlen in Serbien inszenierte die Regierung die Beisetzung des wegen Völkermords in Srebrenica verurteilten Radko Mladić wie einen Staatsakt. Unsere Autor*innen analysieren das politische Kalkül dahinter und zeigen, wie sich die aktuelle serbische Führung 31 Jahre nach dem Genozid weiterhin seiner Verantwortung entzieht. Kritische Stimmen aus der Region halten dagegen: Nur wer der Opfer gedenkt, kann das Kriegserbe aufarbeiten und einen dauerhaften Frieden auf dem Westbalkan erreichen.

Serbien sondert unauffällig Atomkraft Optionen – doch hohe Kosten, fehlendes Fachwissen und schwache Institutionen machen den geplanten Atomeinstieg zur riskanten Wette.

Während in Albanien die Proteste für eine andere Zukunft des Landes Schlagzeilen machen, erlebt dort auch die Biodiversität derzeit einen Höhepunkt, allerdings nur auf Ausstellungsflächen. In Tirana vereint ein monumentales Mosaik die gefährdeten und besonderen Arten des Landes. „Albanien ist Biodiversität“ – noch bis zum 24.Oktober 2026 auf dem Skanderbeg-Platz in der hbs Galerie zu sehen. Unsere Autor*innen zeigen in Text- und Filmbeiträgen, wie außergewöhnlich die biologische Vielfalt Albaniens ist – und wie akut bedroht.

Sie kennen Albanien und den westlichen Balkan sehr gut? Für unser Büro in Tirana suchen wir eine Büroleitung. Bringen Sie Ihre fundierten Kenntnisse über Südosteuropa, insbesondere über Albanien, bei uns ein und bewerben Sie sich!

Wir laden Sie herzlich zu unseren nächsten Veranstaltungen ein. Im Mittelpunkt stehen die ukrainische Jugend im Kriegsalltag, die ökologischen Folgen von Russlands Angriffskrieg, der EU-Weg der Ukraine sowie Zukunftsszenarien für Belarus.

Ihr Ost- und Südosteuropa Team der Heinrich-Böll-Stiftung

 
 
Im Fokus
Kommentar

Die Beerdigung von Ratko Mladić: Politische Versammlung oder opportunistische Groteske
Radko Mladić, vom UN-Tribunal wegen Völkermords in Srebrenica und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt, starb in Haft. Seine Beisetzung in Serbien kam fast einem Staatsbegräbnis gleich. Was bezweckte die Regierung von Präsident Aleksandar Vučić mit dieser Inszenierung so kurz vor den Parlamentswahlen? Srđan Milošević analysiert die Botschaften nach innen und außen. Mehr: Deutsch | Englisch

Foto: Weiße Grabsteine stehen in langen Reihen auf einem bewaldeten Hügel. Im Vordergrund liegen große Gedenktafeln mit Namen.
Statement

Das Begräbnis von Ratko Mladić: Ein Test, den Serbien nicht bestanden hat und den die EU nicht ignorieren darf
Die „Western Balkans Six Strategy Group“ zeigt sich tief empört über das Verhalten der serbischen Regierung bei der Beisetzung des Kriegsverbrechers Ratko Mladić. Zur englischsprachigen Erklärung hier.

Statement

Die Wahrheit bewahren, Leugnung verhindern
Die Mitglieder der „Western Balkans Six Strategy Group“ besuchten das Srebrenica-Gedenkzentrum in Potočari, um der Opfer des Völkermords zu gedenken. Ihre Botschaft ist klar: Nur durch die Erinnerung an diese Gräueltaten lässt sich das Kriegserbe aufarbeiten und ein dauerhafter Frieden auf dem Westbalkan schaffen. Mehr: Englisch

Foto: Eine hohe Wand ist dicht mit gerahmten Schwarz-Weiß-Porträts bedeckt. Zwei Personen betrachten die Bilder und Vitrinen davor.
Essay

Srebrenica: Nicht werden, was uns verletzt hat – Nie wieder
30 Jahre nach dem Völkermord von Srebrenica sind die Fragen nach Taten und Tätern weitgehend geklärt. Offen bleibt, wie die Vergangenheit in die Zukunft wirkt, meint unser Autor Nihad Kreševljaković. Mehr: Deutsch | Englisch

Analyse

Die poröse Grenze der Verantwortung – Was hat Serbien damit zu tun?
Einunddreißig Jahre nach dem Genozid von Srebrenica behauptet Belgrad noch immer, Serbiens Verantwortung beschränke sich darauf, ein „Nachbarland“ im Bosnienkrieg gewesen zu sein. Dokumente, Urteile und Zeugenaussagen zeichnen ein anderes Bild. Die Grenze der Verantwortung, so zeigt sich, war nie so eindeutig, wie sie dargestellt wird. Von Jovana Kolarić Mehr: Deutsch | Englisch

 
 
Veranstaltungen
Zwei gezeichnete Personen strecken auf bunten geometrischen Formen die Arme nacheinander aus. Eine Person springt der anderen entgegen.

Mittwoch, 21. Oktober, 18.00 – 20.00 Uhr
Jugend in der Ukraine: Welche Räume bleiben für Hoffnung?
Feministische Perspektiven auf Gemeinschaft im Kriegsalltag und Wiederaufbau


Montag, 02. November, 19.00 – 21.00 Uhr
Die Akademische Freiheit in Belarus: Kontinuität und Wandel im restriktiven Umfeld
SCIENCE AT RISK-Notfallbüro: Beobachtungsbericht 2026


Dienstag, 03. November, 16.00 – 21.00 Uhr
Wie weiter mit Belarus: Dynamiken und Szenarien
Berlin Belarus Future Forum 2026 diskutiert Perspektiven für die Freilassung politischer Gefangener, die Bedeutung des Landes für den russischen Angriffskrieg sowie die Rolle der deutschen Außenpolitik.


Donnerstag, 05. November, 18.30 – 20.00 Uhr
Natur und Umwelt in Osteuropa: Imperiale Narben
Umweltschäden im Krieg gegen die Ukraine und ihre historischen Muster.
(In Zusammenarbeit mit dem Ukrainischen Institut und dem DAAD im Wissenschaftsforum Berlin)


10. November 16.30 – 19.00 Uhr
11. November 9.00 – 17.00 Uhr
Kyjiwer Gespräche: Der Weg der Ukraine in die EU – Widerstand, Resilienz, Reformen
Die Jahreskonferenz der Kyjiwer Gespräche zu aktuellen Fragen der Unterstützung der Ukraine (In der Konrad-Adenauer-Stiftung)

 
 
Aus der Region
Foto: Auf Grund liegende Donaufähre in Novi Sad, Serbien
Analyse

Serbiens Wette auf Atom
Nach 35 Jahren wird ein Verbot aufgehoben. Die serbische Regierung treibt ihre nuklearen Ambitionen stillschweigend voran. Die politische Diskussion steht noch aus. Von Damjan Rehm Bogunović Mehr: Deutsch | Englisch

Foto: Zwei Personen stehen vor einer großen Mosaikwand, die diverse Tiere und Vögel zeigt
Hintergrund

Albanien ist Biodiversität: Was Europa erkennen und schützen muss
Albaniens außergewöhnliche biologische Vielfalt ist ein gemeinsames europäisches Gut. Europa muss ihren Wert erkennen, sie als Teil unserer gemeinsamen Zukunft begreifen und entschlossen handeln, um sie zu schützen. Von Dr. Mehmet Gökhan Tuncer Mehr: Deutsch | Englisch

Foto: Die Ausstellungsreihe im Aufbau auf dem Skanderberg-Platz in Tirana
Ausstellungsreihe

„Albania is Biodiversity“: Geöffnet bis zum 20. Oktober
Die Mosaik- und Ausstellungsreihe „Albanien ist Biodiversität“ ist noch bis zum 24. Oktober 2026 auf dem Skanderbeg-Platz in Tirana zu sehen. Im Mittelpunkt steht ein monumentales Mosaik von Kleidi Eski. Es vereint 38 gefährdete und besondere Arten, die in Albanien vorkommen, mit seiner zentralen Präsenz rückt es die Biodiversität des Landes ins Zentrum der Hauptstadt.

Begleitend bietet ein gemeinsam mit PPNEA, der ältesten Umweltorganisation des Landes, entwickeltes Programm Diskussionen, Workshops, Filmvorführungen und Bildungsangebote. Die Kampagne wird online fortgesetzt, mit Bildungsinhalten auf Albanisch und Englisch.

Die hbs-Galerie am Skanderbeg-Platz ist täglich von 10:00 bis 22:00 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Für direkte Eindrücke folgen Sie hbs Tirana auf Instagram.
Verfolgen Sie die Arbeit von PPNEA auf Instagram.

Stellenausschreibung

Büroleitung Tirana (Albanien und Kosovo)
Wir suchen zum 01.02.2026 eine Büroleitung Tirana (Albanien und Kosovo) für das Referat Ost- und Südosteuropa, Bereich Internationale Zusammenarbeit der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin. Mehr

 
 
Video
Foto: Aus der Luft sind Menschen am Strand zu sehen, die das Wort „SAVE NARTA“ bilden. Im Vordergrund liegt das Meer.

Albaniens Flamingo-Proteste: Natur schützen – Demokratie bewahren
Was im Mai 2026 als lokaler Protest gegen umstrittene Tourismusprojekte begann, entwickelte sich zu einer landesweiten Bewegung. Im Zentrum stehen bedrohte Küstenökosysteme und grundlegende Fragen nach Naturschutz, Transparenz, politischer Verantwortung und dem öffentlichen Interesse. Im englischsprachigen Mitschnitt diskutieren Vertreter*innen von PPNEA, Flamingo Berlin und aus der Grünen/LAG Europa über die Protestbewegung, ihre Forderungen und ihre politische Bedeutung.

Foto: Zwei Personen gehen an einer Wand mit EU-Sternen, dem Schriftzug „Wir sind Europa“ (We are Europe) und der georgischen Flagge vorbei.

Vernetzung oder Naivität – welche Rolle spielt die EU im Südkaukasus?
Der Südkaukasus ordnet sich neu. Der EU-Beitrittskandidat Georgien driftet in eine „moderate Autokratie“ ab. Armenien nähert sich der EU an, doch im Innern kommen Reformen nur mühsam voran. Aserbaidschan bleibt streng autoritär, mit Hunderten politischen Gefangenen. Einige dieser Entwicklungen beleuchtet Sonja Schiffers in ihrem Buch „Authoritarian and Illiberal Influence: Russia's and Turkey's Threats to Democracy in Wider Europe“. Mit ihr und Partner*innen aus den drei Ländern haben wir über die Lage in der Region diskutiert. Zu den Mitschnitten: Deutsch | Englisch

Foto: Das Parlamentsgebäude Armeniens

Armenien hat gewählt: Neuer Schwung für demokratischen Fortschritt?
Im Sommer hat Armenien ein neues Parlament gewählt, und es ging um viel: Demokratie, EU-Kurs und Frieden in der Region. Premier Nikol Paschinjan hat seine Mehrheit verteidigt, doch einfacher wird es für ihn nicht, denn ihm gegenüber steht eine geeinte, russlandnahe Opposition. Was bedeutet das Ergebnis für das Land und die Region? Darüber haben wir mit Expert*innen aus Armenien diskutiert. Zu den Mitschnitten: Deutsch | Englisch

 

boell.de

 

Fotos: Im Fokus (Statement): © hbs, C-BY-NC-SA 4.0; Im Fokus (Essay): © Paola Petrić, Alle Rechte vorbehalten; Veranstaltungen: © Oleksandra Maior, Alle Rechte vorbehalten; Aus der Region (Analyse): IMAGO / Anadolu Agency, Alle Rechte vorbehalten; Aus der Region (Hintergrund): © hbs, Alle Rechte vornehalten; Aus der Region (Ausstellungsreihe): © hbs, Alle Rechte vorbehalten; Video (Flamingo-Proteste): © Marsel Hasanllari, Alle Rechte vorbehalten; Video (Vernetzung oder Naivität): IMAGO / ZUMA Press Wire / Karol Serewis, Alle Rechte vorbehalten; Video (Armenien-Wahl): Preacher lad/Wikimedia Commons, CC-BY-SA 4.0.

Absenderin: Heinrich-Böll-Stiftung, Die grüne politische Stiftung, info@boell.de
Redaktion: Irina Ghulinyan-Gerz, V.i.S.d.P.: Annette Maennel

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