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Ost- & Südosteuropa Newsletter | Juni 2026

Liebe Leser*innen,

in diesen Tagen blicken wir nach Armenien, wo in wenigen Tagen Parlamentswahlen stattfinden. Sie werden darüber entscheiden, ob das Land seinen demokratischen Kurs beibehält und die europäische Integration vorantreibt – oder unter russischen Einfluss zurückfällt. Unsere aktuelle Analyse bietet Hintergründe; und am 12. Juni laden wir zum Wahlnachlese-Gespräch. Schon zuvor begrüßen wir am 2. Juni Gäste aus der Ukraine, dem Kosovo und Bosnien-Herzegowina zum Thema sexualisierte Gewalt in Kriegszeiten: Das Leid der Opfer endet nicht, wenn die Waffen schweigen. Vorab haben wir Expertinnen zur Dokumentation von Gewalt, Wiedergutmachung und Unterstützung Betroffener interviewt. Ein weiterer neuer Artikel zieht eine Bilanz nach 20 Jahren montenegrinischer Unabhängigkeit – zwischen Höhen und Tiefen – und Serbiens ambivalentem Verhältnis dazu. Schließlich beleuchten wir auch den Rücktritt des Hohen Repräsentanten in Bosnien und Herzegowina.
Die letzte Veranstaltung vor der Sommerpause: Am 1. Juli diskutieren wir mit der Schriftstellerin Nino Haratischwili sowie den Nobelpreisträgerinnen Oleksandra Romantsova vom Zentrum für bürgerliche Freiheiten in Kyjiw und Elena Zhemkova von Zukunft Memorial über die Aktualität von Dokumentations- und Aufklärungsarbeit zu Menschenrechtsverletzungen und staatlicher Gewalt.
Wer unser diesjähriges Europäisches Geschichtsforum oder die Diskussion zur Reaktorkatastrophe im ukrainischen Tschornobyl verpasst hat: Die Mitschnitte stehen bereit.

Ihr Ost- und Südosteuropa Team der Heinrich-Böll-Stiftung

 
 
Im Fokus
Foto: Platz der Republik in Jerewan
Analyse

Armenien vor der Wahl: Welche Art von Demokratie wird sich durchsetzen?
Armenien gilt im Südkaukasus oft als Vorbild für Demokratisierung. Doch hinter dieser Erfolgsgeschichte verbirgt sich eine komplexere Realität: Statt Konsolidierung durchläuft die armenische Demokratie einen hybriden Transformationsprozess. Die Parlamentswahl am 7. Juni wird zum Test ihrer Resilienz. Von Eviya Hovhannisyan, Stefan Meister Mehr (Deutsch, Englisch)

 
 
Veranstaltungen

Dienstag, 2. Juni 2026 18.00 – 19.30 Uhr
Konfliktbezogene sexualisierte Gewalt im Kosovo, in Bosnien und Herzegowina und der Ukraine
Lehren aus den 1990er Jahren und heute

Freitag, 12. Juni 2026 17.00 – 18.30 Uhr
Armenien hat gewählt: Neuer Schwung für demokratischen Fortschritt?

Mittwoch, 1. Juli 2026, 17.00 – 20.30 Uhr
Dokumentieren, Aufklären, Widerstehen
Zur Aktualität historisch ausgerichteter Menschenrechtsarbeit

 
 
Aus der Region
Lina Kushch, Dr. Feride Rushiti, Ajna Mahmić Ćatić
Analyse

Sexualisierte Gewalt im Krieg: Überleben geht vor, was folgt danach?
Wie können Überlebende konfliktbezogener sexualisierter Gewalt im Krieg und danach unterstützt werden? Drei herausragende Expertinnen: Lina Kushch, Ukraine, Dr. Feride Rushiti, Kosovo und Ajna Mahmić Ćatić, Bosnien und Herzegowina, teilen ihre Erfahrungen von Region zu Region zu Gerechtigkeit, Reparationen und bedürfnisorientierter Hilfe. Ein Interview von Katja Giebel Mehr

Ruhige Bucht zwischen steilen Bergen in Montenegro.
Analyse

20 Jahre wiederhergestellte Unabhängigkeit Montenegros – zwischen erfolgreicher Staatsbildung, unvollendeter Demokratisierung und europäischem Endspiel
Zwanzig Jahre nach Montenegros Unabhängigkeit stellt sich nicht mehr die Frage, ob es als Staat Bestand hat, sondern welche Art von Staat es werden will. Die Unabhängigkeit ist international und in der Bevölkerung gefestigt. Offen bleibt, ob Montenegros europäisches Endspiel von stärkeren Institutionen, größerem gesellschaftlichem Zusammenhalt und einer konsequenteren Rechtsstaatlichkeit begleitet sein wird. Die Antwort wird nicht nur das Tempo der europäischen Integration bestimmen, sondern auch die demokratische Stärke, Widerstandsfähigkeit und den zukünftigen Charakter Montenegros. Ein Beitrag von Daliborka Uljarević und Balša Božović Mehr (Englisch)

Breiter Fluss zwischen dicht bewachsenen Ufern, dahinter Stadtbebauung. Rechts Gebäude mit Schriftzug „Hotel Podgorica“, bewölkter Himmel.
Analyse

Zwischen Frustration und Negation: Serbien und Montenegro zwanzig Jahre nach der Unabhängigkeit
Zwanzig Jahre nach dem Unabhängigkeitsreferendum wird die Staatlichkeit Montenegros von Teilen der politischen und intellektuellen Elite Serbiens noch immer nicht vollständig akzeptiert. Trotz internationaler Anerkennung, NATO-Mitgliedschaft und EU-Annäherung gilt Montenegro im nationalistischen Diskurs oft weiterhin als „entfremdeter Teil des serbischen Raums“. Von Milivoj Beslin Mehr (Englisch)

Grafik mit Porträt von Paola Petrić vor blau-grünem Hintergrund. Text: „3 Questions on the Resignation of the High Representative in Bosnia and Herzegovina“. Unten Logo der Heinrich-Böll-Stiftung Brüssel.
3 Questions

3 Fragen zum Rücktritt des Hohen Repräsentanten in Bosnien und Herzegowina an Paola Petrić
Der Rücktritt von Christian Schmidt als Hoher Repräsentant in Bosnien und Herzegowina erfolgte überraschend und nach US-Druck im Streit um ein Energieprojekt. Mit Milorad Dodik, der den Abgang als Sieg darstellt, gerät die fragile Nachkriegsordnung Bosniens unter Druck. Wir haben Paola Petrić, Büroleiterin der Heinrich-Böll-Stiftung in Sarajevo gefragt, was das für Bosnien, die USA und die Glaubwürdigkeit der EU bedeutet. Von Katja Giebel Mehr (Englisch)

Foto: Fußgänger an einem Verwaltungsgebäude
Kommentar

Totaler Hybridkrieg: Kommunalwahlen in Serbien
Die jüngsten Kommunalwahlen in Serbien schienen für die Regierungspartei eine reine Routineangelegenheit – bis sie sich einem ernstzunehmenden Herausforderer gegenübersah. Eine Entwicklung mit möglicher Signalwirkung für die Parlamentswahlen 2027. Von Bojan Elek Mehr (Englisch)

 
 
Dossier
Foto: Mehrere Personen auf einem großen Wellblechdach neben einem eingestürzten, aufgerissenen Bereich.
Dossier

Tschernobyl: 40 Jahre nach der Katastrophe
Atomkraft im Osten Europas

Vierzig Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl/Tschornobyl riskiert Russland mit direkten Angriffen auf Atomkraftwerke in der Ukraine erneut die nukleare Sicherheit im Osten Europas. Andere Länder scheinen davon wenig beeindruckt, halten an der Atomkraft fest und planen neue Reaktoren. Unser Dossier richtet Schlaglichter auf Erinnerungen und aktuelle Debatten in ausgewählten Ländern. Mehr (Deutsch, Englisch)

 
 
Publikationen
Obst und Gemüse in einem Garten
Artikel

Die Realität der Pestizide: Die Lebensmittelsicherheitslücke in Armenien schließen
Von David Pipoyan, Meline Beglaryan

Der Geschmack von heimischem Obst und Gemüse ist ein Teil des armenischen Nationalstolzes. Doch wie es um die Lebensmittelsicherheit im Land bestellt ist, fragen sich nur wenige. Die zuständigen Behörden navigieren zwischen den teils gegensätzlichen Regelungen der Eurasischen Wirtschaftsunion und der EU. Eine von der hbs unterstützte englischsprachige Publikation nimmt die Lage unter die Lupe.

Herunterladen (Englisch)
 
 
Video
Illustration mit Porträt einer Person, Atomwarnsymbol, Kraftwerksschornstein, Menschen in Schutzanzügen und älterer Person mit Stock. Rote Europakarte im Hintergrund.
Konferenz

Europäisches Geschichtsforum
History of Environmental Movements in Eastern and Southeast Europe

Die Reaktorkatastrophe von Tschornobyl markierte einen tiefgreifenden Wendepunkt im Bewusstsein west- wie osteuropäischer Gesellschaften.  Der Moment machte die extremen Gefahren der Atomenergie für Mensch und Umwelt unübersehbar, in Osteuropa waren die Umweltbewgungen mit ausschlaggebend im Streben nach Unabhängigkeit. 

Zu den Mitschnitten (Englisch)

Introductory Talk

State, People, Environment: Historical Continuities from the Chornobyl Disaster to the War-Induced Ecocide in Ukraine

Fishbowl 1

Catalysts of Environmental Awareness: Ecological Crises and Mobilisation in Eastern and South-Eastern Europe

Fishbowl 2

Green Resistance: Environmental Movements between Anti-Establishment Opposition and Democratic Transformation (Ecology “from below”)

Foto: Zwei Plakate nebeneinander: links Anti-Atomkraft-Werbung der Grünen mit Reaktorkuppel und dem Wort „ABSCHALTEN“, rechts Grafik zu „CHORNOBYL 1986 | 2026“ mit drei Flugzeugen in Atomsymbol-Formation.
Mitschnitt

40 Jahre Tschernobyl
Die Geschichte und ihre neue Gegenwart

Der Reaktorunfall von Tschernobyl/Tschornobyl vor 40 Jahren führte ost- wie westeuropäischen Gesellschaften schlagartig vor Augen, welch ungeheure Risiken die Kernenergie für Mensch und Natur birgt. Den Jahrestag nahmen wir zum Anlass, über ökologische Geschichte und europäische Sicherheit zu diskutieren – und wurden bestätigt: Das Thema hat nichts von seiner Dringlichkeit verloren. Zum Mitschnitt

 

boell.de

 

Fotos: Im Fokus: Yuri Krupenin / unsplash, Alle Rechte vorbehalten; Aus der Region: Collage: Lina Kushch (Zinchenko, all rights reserved), Feride Rushiti (KRCT, all rights reserved), Ajna Mahmić Ćatić ( PRIME Communications, all rights reserved), Collage: hbs. Daliborka Uljarević, all rights reserved; hbs Belgrade licence: All rights reserved; hbs Belgrade, All rights reserved; Dossier: IMAGO/Ukrinform, Alle Rechte vorbehalten; Publikationen: Cover image by pvproductions - Freepik.com; Video: Illustration:Arinda Craciun, all rights reserved; Archiv Grünes Gedächtnis, Initiative 4th Block/Alex Blyakher, Hintergrundbild: Imago/Ukrinform, all rights reserved,

Absenderin: Heinrich-Böll-Stiftung, Die grüne politische Stiftung, info@boell.de
Redaktion: Irina Ghulinyan-Gerz, V.i.S.d.P.: Annette Maennel

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